Viele Gründer fragen sich, ob sie von Anfang an einen Steuerberater brauchen. Die kurze Antwort: Es kommt darauf an. Für manche Gründungen ist professionelle Steuerberatung unverzichtbar, für andere reichen moderne Buchhaltungstools. Dieser Ratgeber hilft Ihnen bei der Entscheidung und zeigt, worauf Sie bei der Auswahl achten sollten.
1Brauche ich einen Steuerberater?
Es gibt keine gesetzliche Pflicht, als Gründer einen Steuerberater zu beauftragen. Die Frage ist vielmehr, ob sich die Investition wirtschaftlich lohnt und ob Sie die steuerlichen Anforderungen selbst bewältigen können.
Ein Steuerberater ist besonders empfehlenswert, wenn Sie:
- Eine Kapitalgesellschaft (GmbH oder UG) gründen – diese sind bilanzierungspflichtig
- Mitarbeiter einstellen möchten – Lohnbuchhaltung ist komplex
- Umsatzsteuerpflichtig sind und regelmäßige Voranmeldungen abgeben müssen
- Unsicher bei der Wahl der Rechtsform sind und steuerliche Optimierung suchen
- Investoren aufnehmen oder Fördermittel beantragen möchten
- Sich auf Ihr Kerngeschäft konzentrieren und Zeit sparen wollen
Sie kommen möglicherweise ohne Steuerberater aus, wenn Sie:
- Freiberufler oder Einzelunternehmer mit überschaubaren Einnahmen sind
- Eine einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) erstellen können
- Keine Mitarbeiter haben
- Die Kleinunternehmerregelung (§ 19 UStG) nutzen
- Sich mit Buchhaltungssoftware auskennen oder einarbeiten möchten
Auch wenn Sie langfristig keinen Steuerberater benötigen, lohnt sich eine einmalige Erstberatung (100 bis 300 Euro) bei der Gründung. Hier werden die Weichen für Rechtsform, Umsatzsteuer-Option und steuerliche Gestaltung gestellt – Fehler in dieser Phase können später teuer werden.
2Aufgaben des Steuerberaters bei der Gründung
Ein Steuerberater kann Gründer in verschiedenen Phasen und Bereichen unterstützen. Die wichtigsten Aufgaben im Überblick:
Leistungen für Gründer
Darüber hinaus vertritt der Steuerberater Sie bei Betriebsprüfungen durch das Finanzamt und kann bei steuerlichen Auseinandersetzungen Einsprüche einlegen. Er haftet für Fehler in seiner Arbeit, was Ihnen zusätzliche Sicherheit bietet.
3Kosten eines Steuerberaters
Die Vergütung von Steuerberatern ist in der Steuerberatervergütungsverordnung (StBVV) geregelt. Die Gebühren richten sich nach dem Gegenstandswert (z. B. Jahresumsatz, Bilanzsumme) und dem Schwierigkeitsgrad. Innerhalb der gesetzlichen Rahmengebühren hat der Steuerberater einen Ermessensspielraum.
| Leistung | Typische Kosten | Häufigkeit |
|---|---|---|
| Erstberatung Gründung | 100 – 300 EUR | einmalig |
| Laufende Buchführung | 100 – 500 EUR | monatlich |
| USt-Voranmeldung | 30 – 100 EUR | monatlich/vierteljährlich |
| Lohnabrechnung (pro MA) | 15 – 40 EUR | monatlich |
| Jahresabschluss (EÜR) | 300 – 1.000 EUR | jährlich |
| Jahresabschluss (Bilanz/GmbH) | 1.000 – 5.000 EUR | jährlich |
| Steuererklärungen (Paket) | 500 – 2.000 EUR | jährlich |
Für Gründer mit einer GmbH oder UG können Sie realistisch mit 200 bis 600 Euro monatlich für Buchführung und Umsatzsteuervoranmeldung rechnen, plus 1.500 bis 4.000 Euro jährlich für Jahresabschluss und Steuererklärungen.
Alle Kosten für den Steuerberater sind Betriebsausgaben und mindern Ihren steuerpflichtigen Gewinn. Bei einem Steuersatz von 30 bis 40 Prozent (Einkommensteuer + Gewerbesteuer) tragen Sie effektiv nur 60 bis 70 Prozent der Kosten selbst.
4Den richtigen Steuerberater finden
Nicht jeder Steuerberater ist der richtige für Gründer. Achten Sie auf folgende Kriterien, um einen passenden Berater zu finden:
Fragen Sie gezielt nach Erfahrung mit Existenzgründungen und Startups. Ein Steuerberater, der vor allem große Mittelständler betreut, hat möglicherweise wenig Verständnis für die Anforderungen junger Unternehmen.
Ein Steuerberater, der Ihre Branche kennt, kann besser beraten – ob E-Commerce, SaaS, Gastronomie oder Handwerk. Er kennt branchenspezifische Abschreibungen, Besonderheiten und Fallstricke.
Moderne Steuerberater arbeiten mit Cloud-Buchhaltung (DATEV Unternehmen online, sevDesk, lexoffice) und ermöglichen digitale Belegübermittlung. Das spart Zeit und vermeidet Papierchaos.
Ein guter Steuerberater ist erreichbar, wenn Sie Fragen haben – nicht nur einmal im Jahr zum Jahresabschluss. Klären Sie vorab, wie schnell Sie mit Antworten rechnen können.
Lassen Sie sich vorab ein Angebot oder eine Honorarvereinbarung geben. Viele Steuerberater bieten Festpreise oder Pauschalen für Gründer an, was die Planbarkeit erhöht.
Gute Anlaufstellen für die Suche sind: die offizielle Steuerberater-Suche der Bundessteuerberaterkammer (bstbk.de), Empfehlungen aus Gründernetzwerken und Gründerzentren, IHK-Gründerberatung sowie spezialisierte Vergleichsplattformen. Vereinbaren Sie mit zwei bis drei Steuerberatern ein kostenloses Erstgespräch und vergleichen Sie.
5Alternativen zum Steuerberater
Für Gründer mit einfachen Verhältnissen gibt es mittlerweile leistungsfähige digitale Alternativen, die einen Großteil der Buchhaltung und Steuervorbereitung übernehmen können.
Buchhaltungssoftware
Cloud-basierte Tools wie sevDesk, lexoffice, FastBill oder Debitoor ermöglichen:
- Automatische Belegerfassung per Foto
- Umsatzsteuervoranmeldung per ELSTER
- EÜR-Erstellung zum Jahresende
- Rechnungserstellung und Mahnwesen
Ab 10 – 50 EUR/Monat
Hybrid-Lösung
Viele Gründer wählen einen Mittelweg: Laufende Buchführung selbst erledigen, Steuerberater nur für:
- Einmalige Gründungsberatung
- Jahresabschluss und Steuererklärung
- Komplexe steuerliche Fragen
- Betriebsprüfungen
Spart 50 – 70 % der Kosten
Lohnsteuerhilfevereine sind keine Alternative für Gewerbetreibende – sie dürfen nur Arbeitnehmer beraten. Für unternehmerische Steuerfragen sind ausschließlich Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte zugelassen.
Beachten Sie: Buchhaltungssoftware kann bei der Einnahmen-Überschuss-Rechnung gut helfen, stößt aber bei der doppelten Buchführung (Pflicht für GmbH und UG) an Grenzen. Hier sollten Sie zumindest den Jahresabschluss von einem Steuerberater erstellen lassen.
6Checkliste: Steuerberater beauftragen
Wenn Sie sich für einen Steuerberater entschieden haben, gehen Sie wie folgt vor:
Vor dem Erstgespräch vorbereiten
Bereiten Sie eine kurze Beschreibung Ihres Vorhabens vor: Was machen Sie, wer sind Ihre Kunden, welche Umsätze erwarten Sie?
Haben Sie sich bereits für eine Rechtsform entschieden oder wünschen Sie Beratung? Notieren Sie Ihre Überlegungen.
Wie viel können Sie monatlich für Steuerberatung ausgeben? Das hilft bei der Auswahl des passenden Leistungspakets.
Bringen Sie zum Erstgespräch mit: Businessplan (falls vorhanden), Gesellschaftsvertrag, bisherige Steuerbescheide, geplante Investitionen.
Welche Steuerart fällt an? Welche Fristen muss ich beachten? Brauche ich eine Umsatzsteuer-ID? Welche Betriebsausgaben kann ich absetzen?
Lassen Sie sich ein schriftliches Angebot geben und klären Sie, welche Leistungen im Pauschalpreis enthalten sind.
Fazit
Ein Steuerberater ist für viele Gründer eine sinnvolle Investition – insbesondere bei Kapitalgesellschaften, Mitarbeitern oder komplexen steuerlichen Verhältnissen. Für einfache Gründungen mit EÜR reicht oft Buchhaltungssoftware in Kombination mit einer einmaligen Steuerberatung. Wichtig ist: Die Weichen werden in der Gründungsphase gestellt. Holen Sie sich zumindest für die Ersteinrichtung professionelle Hilfe.
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Zur GründungssucheHäufig gestellte Fragen
Was kostet ein Steuerberater für Gründer?
Die Kosten richten sich nach der Steuerberater-Vergütungsverordnung (StBVV) und hängen vom Umfang der Leistungen ab. Für eine Erstberatung zahlen Sie 100 bis 300 Euro. Laufende Buchführung kostet 100 bis 500 Euro pro Monat, der Jahresabschluss 500 bis 3.000 Euro. Viele Steuerberater bieten Gründerpakete ab ca. 150 Euro pro Monat an.
Ab wann brauche ich als Gründer einen Steuerberater?
Spätestens wenn Sie eine Kapitalgesellschaft (GmbH, UG) gründen, ist ein Steuerberater empfehlenswert, da diese bilanzierungspflichtig sind. Auch bei hohen Umsätzen (über 600.000 Euro) oder Gewinnen (über 60.000 Euro) wird die Buchführung komplex. Für die Gründungsphase selbst lohnt sich eine Erstberatung zu Rechtsform und Steuern fast immer.
Kann ich die Buchhaltung als Gründer selbst machen?
Ja, als Einzelunternehmer oder Freiberufler mit einfacher Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) können Sie die Buchhaltung mit Software wie sevDesk, lexoffice oder DATEV Unternehmen online selbst erledigen. Bei Kapitalgesellschaften (GmbH, UG) ist die doppelte Buchführung Pflicht – hier wird ein Steuerberater dringend empfohlen.
Wie finde ich den richtigen Steuerberater für mein Startup?
Achten Sie auf Erfahrung mit Gründern und Ihrer Branche. Suchen Sie über die Steuerberater-Suchfunktion der Bundessteuerberaterkammer, Empfehlungen aus Gründernetzwerken oder spezialisierte Plattformen. Vereinbaren Sie ein kostenloses Erstgespräch und fragen Sie nach digitaler Zusammenarbeit (DATEV Unternehmen online, Cloud-Buchhaltung).