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Franchise-Gründung: Selbstständig mit bewährtem Konzept

Wie Sie das passende Franchise-System finden, den Vertrag richtig prüfen und erfolgreich als Franchise-Nehmer durchstarten.

14 Min. LesezeitAktualisiert: März 2026

Franchising verbindet die Selbstständigkeit mit der Sicherheit eines erprobten Geschäftsmodells. Als Franchise-Nehmer nutzen Sie eine etablierte Marke, bewährte Prozesse und ein unterstützendes Netzwerk - und gründen dennoch Ihr eigenes Unternehmen. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, worauf Sie bei der Franchise-Gründung achten müssen.

Was ist Franchising?

Franchising ist ein Vertriebssystem, bei dem ein Franchise-Geber (Franchiseur) einem Franchise-Nehmer (Franchisee) das Recht einräumt, unter seiner Marke und nach seinem Konzept ein eigenständiges Unternehmen zu betreiben. Der Franchise-Nehmer zahlt dafür Gebühren und verpflichtet sich, die Standards des Systems einzuhalten.

In Deutschland gibt es laut Deutschem Franchise-Verband (DFV) über 900 aktive Franchise-Systeme mit rund 144.000 Franchise-Nehmern und über 830.000 Beschäftigten. Der Gesamtumsatz der Franchise-Wirtschaft beträgt über 142 Milliarden Euro jährlich.

Bekannte Franchise-Systeme in Deutschland

GastronomieMcDonald's, Subway, BackWerk, Nordsee
EinzelhandelFressnapf, REWE (teilweise), Kamps
DienstleistungMrs.Sporty, Studienkreis, Engel & Völkers
HandwerkPortas, Rentas, Isotec

1Den Franchise-Vertrag richtig prüfen

Der Franchise-Vertrag ist das zentrale Dokument Ihrer Gründung. Anders als bei einer freien Gründung binden Sie sich langfristig an einen Partner - typisch sind Vertragslaufzeiten von 5 bis 20 Jahren. Umso wichtiger ist eine gründliche Prüfung vor Unterzeichnung.

Diese Punkte müssen Sie im Vertrag prüfen:

  • Gebietsschutz: Erhalten Sie ein exklusives Vertragsgebiet? Kann der Franchise-Geber weitere Nehmer in Ihrer Nähe ansiedeln?
  • Vertragslaufzeit: Wie lange läuft der Vertrag? Gibt es automatische Verlängerung? Welche Kündigungsfristen gelten?
  • Leistungspflichten des Gebers: Welche Schulungen, Marketingunterstützung und laufende Betreuung sind vertraglich zugesichert?
  • Bezugspflichten: Müssen Sie Waren oder Dienstleistungen ausschließlich vom Franchise-Geber oder dessen Lieferanten beziehen?
  • Wettbewerbsverbot: Gilt ein nachvertragliches Wettbewerbsverbot und wenn ja, für wie lange und in welchem Gebiet?
  • Übertragbarkeit: Können Sie den Franchise-Betrieb später verkaufen oder vererben?
Wichtig: Anwalt einschalten

Lassen Sie den Franchise-Vertrag immer von einem auf Franchiserecht spezialisierten Anwalt prüfen. Die Kosten von 1.000 bis 3.000 Euro für die Vertragsprüfung sind eine lohnende Investition, die Sie vor teuren Fehlern schützen kann. Der DFV führt eine Liste qualifizierter Franchise-Anwälte.

2Die Gebührenstruktur verstehen

Franchise-Systeme finanzieren sich über verschiedene Gebühren. Es ist entscheidend, dass Sie die Gesamtbelastung kennen, bevor Sie sich binden. Die Gebühren lassen sich in einmalige und laufende Kosten unterteilen.

Einmalige Gebühren

  • Eintrittsgebühr: 5.000 bis 50.000 Euro - deckt Schulung, Handbuch und Systemzugang ab
  • Investitionskosten: Standortausbau, Erstausstattung, IT-Systeme, Warenlager
  • Kaution: Einige Systeme verlangen eine Sicherheitsleistung

Laufende Gebühren

  • Lizenzgebühr: 3 bis 8 % des Nettoumsatzes - die Haupteinnahme des Franchise-Gebers
  • Werbegebühr: 1 bis 3 % des Umsatzes für überregionales Marketing
  • IT-/Systemgebühr: Monatliche Pauschale für Software und Support

3Vor- und Nachteile von Franchising

Vorteile

  • Erprobtes Geschäftsmodell mit nachgewiesener Wirtschaftlichkeit
  • Etablierte Marke und vorhandene Kundenbekanntheit
  • Umfassende Schulung und laufende Unterstützung
  • Bessere Einkaufskonditionen durch Systemgröße
  • Geringeres Scheiter-Risiko (unter 5 % Insolvenzquote)
  • Finanzierung oft leichter durch bewährtes Konzept

Nachteile

  • Eingeschränkte unternehmerische Freiheit und Vorgaben
  • Laufende Gebühren reduzieren den Gewinn
  • Abhängigkeit vom Franchise-Geber und dessen Erfolg
  • Imageschäden durch andere Franchise-Nehmer möglich
  • Langfristige Vertragsbindung (oft 10-20 Jahre)
  • Nachvertragliches Wettbewerbsverbot kann einschränken

4Due Diligence: Das Franchise-System prüfen

Bevor Sie einen Franchise-Vertrag unterschreiben, müssen Sie das System gründlich prüfen. Diese Due Diligence schützt Sie vor bösen Überraschungen und ist die Grundlage für eine informierte Entscheidung.

Checkliste für Ihre Due Diligence:

  • Fordern Sie die vorvertragliche Aufklärung (Franchise Disclosure Document) an
  • Sprechen Sie mit mindestens 5 bestehenden Franchise-Nehmern über deren Erfahrungen
  • Prüfen Sie die Jahresabschlüsse des Franchise-Gebers (Bonität, Stabilität)
  • Recherchieren Sie Rechtsstreitigkeiten und Klagen gegen den Franchise-Geber
  • Analysieren Sie die Umsatz- und Gewinnprognosen kritisch - sind sie realistisch?
  • Besuchen Sie mehrere bestehende Franchise-Standorte unangekündigt
  • Prüfen Sie die Fluktuationsrate: Wie viele Nehmer haben das System verlassen?

5Der Deutsche Franchise-Verband (DFV)

Der Deutsche Franchise-Verband e.V. (DFV) ist die zentrale Qualitätsinstitution der deutschen Franchise-Wirtschaft. Franchise-Systeme, die Mitglied im DFV sind, haben einen System-Check durchlaufen und verpflichten sich zur Einhaltung des DFV-Ethikkodex.

Der DFV bietet potenziellen Franchise-Nehmern wertvolle Ressourcen: eine Datenbank mit geprüften Franchise-Systemen, Informationsveranstaltungen, einen Franchise-Berater-Pool und eine Ombudsstelle für Streitigkeiten. Die DFV-Mitgliedschaft eines Franchise-Gebers ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal, aber kein Ersatz für Ihre eigene Due Diligence.

Tipp: Besuchen Sie die jährliche Franchise Expo (früherer Name: Franchise Expo Frankfurt), um verschiedene Systeme persönlich kennenzulernen, mit Franchise-Gebern zu sprechen und sich einen Überblick über den Markt zu verschaffen.

6Finanzierung der Franchise-Gründung

Die Finanzierung einer Franchise-Gründung ist oft leichter als bei einer freien Gründung, da Banken das reduzierte Risiko eines erprobten Systems anerkennen. Dennoch müssen Sie in der Regel 20 bis 30 Prozent der Gesamtinvestition als Eigenkapital mitbringen.

  • KfW-Gründerkredite: Der ERP-Gründerkredit Startgeld (bis 125.000 Euro) und der ERP-Gründerkredit Universell eignen sich hervorragend für Franchise-Gründungen.
  • Bürgschaftsbanken: Übernehmen bis zu 80 Prozent des Ausfallrisikos und erleichtern so die Kreditvergabe durch die Hausbank.
  • Gründungszuschuss: Wer aus der Arbeitslosigkeit gründet, kann den Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit beantragen.
  • Franchise-Geber-Finanzierung: Einige Systeme bieten eigene Finanzierungsmodelle, Ratenzahlung der Eintrittsgebühr oder Leasing-Optionen an.

7Exit-Klauseln und Vertragsende

Bereits vor Vertragsschluss sollten Sie die Ausstiegsmöglichkeiten genau kennen. Was passiert, wenn Sie den Franchise-Betrieb beenden möchten oder müssen?

  • Ordentliche Kündigung: Fristen und Voraussetzungen für eine reguläre Beendigung
  • Außerordentliche Kündigung: Gründe für eine fristlose Kündigung durch beide Seiten
  • Verkauf des Betriebs: Vorkaufsrecht des Franchise-Gebers, Genehmigungspflicht
  • Nachvertragliches Wettbewerbsverbot: Dauer (max. 2 Jahre laut Rechtsprechung) und räumlicher Geltungsbereich
  • Rückgabepflichten: Handbücher, Kundendaten, Ausstattung, Domain und Social-Media-Accounts
  • Entschädigung: Ausgleichsanspruch analog zum Handelsvertreterrecht (umstritten, aber möglich)

Fazit

Eine Franchise-Gründung ist ein attraktiver Weg in die Selbstständigkeit - besonders für Quereinsteiger und Menschen, die das Risiko einer freien Gründung scheuen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der sorgfältigen Auswahl des Systems, einer gründlichen Due Diligence und der professionellen Prüfung des Franchise-Vertrags.

Nehmen Sie sich mindestens 6 bis 12 Monate Zeit für die Entscheidungsfindung, sprechen Sie mit bestehenden Franchise-Nehmern und holen Sie sich fachkundige Beratung. So legen Sie den Grundstein für eine erfolgreiche Partnerschaft.

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Häufig gestellte Fragen

Wie viel kostet es, ein Franchise zu gründen?

Die Kosten variieren stark je nach System. Die Eintrittsgebühr liegt typischerweise zwischen 5.000 und 50.000 Euro. Hinzu kommen Investitionskosten für Ausstattung, Warenlager und Umbau (oft 50.000 bis 500.000 Euro) sowie laufende Lizenzgebühren von 3 bis 8 Prozent des Umsatzes. Günstigere Systeme wie Servicedienstleister starten ab 10.000 Euro Gesamtinvestition, während Gastronomie-Franchises oft sechsstellige Beträge erfordern.

Welche Vorteile hat Franchising gegenüber einer eigenständigen Gründung?

Franchise bietet ein erprobtes Geschäftsmodell mit geringerem Risiko: Sie erhalten ein fertiges Konzept, eine etablierte Marke, Schulungen, Einkaufsvorteile und laufende Unterstützung. Die Insolvenzquote von Franchise-Nehmern liegt laut DFV bei unter 5 Prozent, deutlich niedriger als bei unabhängigen Gründungen. Außerdem profitieren Sie von der Marketingkraft der Gesamtmarke.

Worauf muss ich beim Franchise-Vertrag besonders achten?

Prüfen Sie vor allem die Gebietsschutz-Regelung (exklusives Vertragsgebiet), die Laufzeit und Verlängerungsbedingungen, die Kündigungsklauseln, das nachvertragliche Wettbewerbsverbot, die genaue Berechnung der laufenden Gebühren und die Pflichten des Franchise-Gebers. Lassen Sie den Vertrag unbedingt von einem auf Franchiserecht spezialisierten Anwalt prüfen, bevor Sie unterschreiben.

Kann ich ein Franchise nebenberuflich starten?

Ja, einige Franchise-Systeme sind explizit für den nebenberuflichen Einstieg konzipiert, etwa im Bereich Nachhilfe, Reinigung oder Online-Handel. Allerdings verlangen viele Franchise-Geber Vollzeit-Engagement. Prüfen Sie die vertraglichen Anforderungen und stellen Sie sicher, dass Ihr Arbeitgeber einer Nebentätigkeit zustimmt. Der DFV listet auch nebenberuflich geeignete Systeme.